Die Blätter fallen von den Bäumen, es ist Herbst. Eine Zeit des Dazwischens: nicht mehr Sommer, noch nicht Winter. Zeit zum Nachdenken. „Der wahre Raum liegt im Dazwischen„, der Blogpost von Johannes Korten kam mir gerade recht als Lektüre und erinnerte mich an ein Projekt, an dem ich dieses Frühjahr gearbeitet hatte. Ich erkundete, welche Bedeutung das „Dazwischen“ hat. Dazu zog ich durch eine mir unbekannte Stadt und dokumentierte Zwischenräume, wie in diesem Photo:

Aarhus Hafen
Aarhus Hafen – vom Industriegebiet zum kulturellen Mittelpunkt

Im Hafen von Aarhus, Dänemark, findet man den Wandel an jeder Ecke. Das einstige Industriegebiet verwandelt sich in einen kulturellen Mittelpunkt der Stadt. Dort wo früher Hafenarbeiter Waren anlandeten, in großen Fabriken Pflanzenöle produziert wurden und landwirtschaftliche Erzeugnisse aller Art lagerten, dort werden nun in den zweitgrößten Studios des Landes Filme produziert, entsteht die neue Stadtbibliothek und haben die Kaospiloten als Ausbildungsstätte für zukünftige StartUp-Gründer ihren Sitz.

Aber noch liegen dazwischen Schiffe an den Kais und werden Container umgeschlagen. Nicht mehr ganz Hafen, aber auch noch nicht innerstädtisches Kulturzentrum und reine Flaniermeile.

Noch liegen Schiffe im Hafen, während im Hintergrund ein neues Stadtviertel entsteht.
Noch liegen Schiffe im Hafen, während im Hintergrund ein neues Stadtviertel entsteht.

Das sind für mich die spannensten Orte. Das Alte liegt zurück, dass Neue ist noch nicht erreicht. Man fühlt: Hier wächst etwas. Häufig jedoch verpassen wir diesen Moment oder ignorieren ihn, denn wir möchten eigentlich schon da sein – angekommen am Ziel.

Das gilt auch, wenn wir etwas ändern wollen. Wir wissen, wir müssen raus aus unserer Komfortzone und etwas ändern. Schnell muss etwas Neues, ein neues Geschäftsmodell oder ein neues Ziel her.  Lass uns kurz nachdenken. Einen Workshop machen. Eine Stunde reicht, oder? Und dann machen wir. Setzen um. Bloß nicht zu lange verweilen.Es stellen sich Zweifel ein. Vieles ist noch nicht klar. Man wird unsicher.

Das Dazwischen ist für die Meisten ziemlich unangenehm. Eigentlich wollen wir von einer Komfortzone zur Nächsten springen und uns schnell wieder fertig, vertraut und sicher fühlen. In unserem Drang möglichst schnell wieder auf stabilem Grund zu stehen, verpassen wir häufig die Chance Neues zu schaffen.  Das Dazwischen ist der Ort, in dem wir explorieren, wo neue Ideen entstehen und wir Optionen prüfen können. Ein Labor für Ideen.

Anstatt uns unwohl zu fühlen, weil wir Unsicherheit spüren, sollten wir es uns vertraut machen und uns freuen, dass in diesem Moment nichts festgelegt, sondern alles offen ist. Uns mit dem Dazwischen vertraut zu machen, gelingt am besten, wenn wir für einen Moment den Ergebnisdruck zurückstellen und uns als Ziele setzen:

  • das Potential in der neuen Herausforderung zu entdecken
  • uns überraschen zu lassen
  • möglichst viele neue Ideen oder Lösungsansätze auszuprobieren

Indem wir uns im ersten Schritt vornehmen, nicht sofort zu einer Lösung kommen zu wollen, sondern die Herausforderung besser zu verstehen und möglichst viele Lösungsideen zu erarbeiten, machen wir in unserem Kopf Platz und reduzieren die Angst vor dem Unbekannten, die uns sonst häufig im Nacken hängt. Ein weiteres gutes Hilfsmittel, das Dazwischen besser zu nutzen, ist einen Prozess zu verwenden, der uns hilft Schritt für Schritt das Unbekannte zu entdecken. Der Prozess wirkt wie ein Sicherungsseil im Klettersteig. Er schränkt nicht ein, verhindert aber, sich komplett zu verlieren. Darüber hinaus gibt er das verlässliche Gefühl mit einem guten Ergebnis zu enden.  Beispiele für solche Prozesse sind:

Sie helfen das Unkonkrete, das vor jedem Neuen steht, begreifbarer zu machen und aus verschiedenen Inspirationen und Ideen konkretere Lösungsansätze zu entwickeln. Die Prozesse machen es einfacher und interessanter, im Dazwischen zu verweilen und die Ungewissheit aktiv für sich zu nutzen, anstatt sich von ihr verunsichern zu lassen.

Beim nächsten Mal, wenn Sie etwas Neues machen wollen, geben Sie sich etwas Zeit und probieren aus, wieviel Freiheit und Innovationsqualität im Dazwischen stecken. Sie werden es geniessen.

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